Ich kann nicht mehr: Wenn Dir die Arbeit über den Kopf steigt

Jeder Arbeitnehmer hat in seiner Karriere schon mal den Punkt erreicht, an dem er sich eingestehen musste: Ich kann nicht mehr! Burnout ist die logische Folge von Stress und dauerhafter Überlastung im Job. Schließlich ist der Mensch keine Maschine und kann nicht endlose Arbeitsstunden ohne Folgen ableisten. Leistung und Wachstum sind wichtig, ja, sogar sehr wichtig, doch genauso wichtig ist auch die Erholung im Berufsleben. Leider arbeiten sich viele, freiwillig oder unfreiwillig in den Burnout. Manche Arbeitgeber achten auf die Gesundheit des Arbeitnehmers und beugen so weit vor, dass es gar nicht zu einer Überarbeitung kommt. Andere wiederum beuten den Arbeitnehmer ohne Rücksicht aus – auch durch Mobbing. Doch jeder kann etwas für sich selbst tun, sodass es nicht dazu kommt, dass man sagen muss: Ich kann nicht mehr!

ich kann nicht mehr

Ich kann nicht mehr! Bevor im Job nichts mehr geht, sollte man auf einige wichtige Dinge achten.

Ich kann nicht mehr: Immer funktionieren, funktioniert eben nicht immer

Die Arbeitswelt ist auf Leistung und Gewinnmaximierung getrimmt. Durch den steigenden Wettbewerb und immer höhere Anforderungen sind in den vergangenen Jahren die Krankentage in deutschen Unternehmen weiter gestiegen. Bedingt durch viele Überstunden und wenig Freizeit stecken viele in einem regelrechten Hamsterrad. Mittlerweile kommen viele mit einem Acht-Stunden-Job nicht aus und arbeiten nebenbei. Man arbeitet nicht mehr um zu leben, sondern lebt um zu arbeiten. Nach Feierabend fehlt sowohl die Zeit als auch die Energie etwas Sinnvolles zu unternehmen. Die Erholung kommt zu kurz. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fühlen sich schlapp und stehen vor einem Zusammenbruch.

Irgendwann steht man vor den Scherben der eigenen Karriere und muss sich eingestehen: Ich kann nicht mehr. Meistens ist es da schon zu spät, die Depression ist bereits eingetreten. Das einzige was bleibt ist die Krankschreibung und der Weg in die Therapie. Dabei tritt die Depression nicht plötzlich ein, sondern baut sich über viele Jahre auf. Es ist ein schleichender Prozess und das Ergebnis von Verdrängung und gesundheitlicher Vernachlässigung. Solange man auf dem Höhepunkt seiner Leistung steht, achtet man nicht auf die Erholung und malocht nach dem Motto: Höher, schneller, weiter. Immer neue Ergebnisse werden erreicht und neue Ziele definiert. Die Wachstumserwartungen vieler Unternehmen befeuern das Bild eines immer funktionierenden Arbeitnehmers.

Doch, was tun, wenn man nicht mehr funktioniert?

Ich kann nicht mehr: Auf Warnsignale achten

Als Arbeitnehmer sollte man lange vor den ersten Anzeichen von Burnout auf Warnsignale achten, damit man nicht eines Tages sagen muss: Ich kann nicht mehr. Eines der ersten Warnsignale des Körpers sind Schlafstörungen. Die Psyche kann den Tagesstress nicht verarbeiten und grübelt durch die Nacht durch. Körper und Seele kommen nicht zur Ruhe. Die Folge sind Schlafstörungen. Oft betrachten Betroffene die Schlafstörung als eine isolierte Beschwerde und versuchen, krampfhaft gegen diese anzukommen. Da wird gerne mal zum Feierabendbier gegriffen oder Baldriantee mit Honig getrunken, damit man besser einschläft. In den meisten Fällen helfen diese Mittel nicht, um zu einem ruhigen Schlaf zu kommen.

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Weitere Warnsignale des Körpers bei Burnout sind:

  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems
  • Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts
  • Stimmungsschwankungen
  • Angstgefühle
  • Konzentrationsstörungen

Die Überarbeitung sorgt für eine Verhaltensänderung der Betroffenen. Angstgefühle und Verärgerung verstärken sich. Diese negative Grundstimmung führt in Resignation und das Gefühl der Hilfslosigkeit und des Ausgeliefertseins, sogar in Zynismus. Es fällt schwer, rationale und lösungsorientierte Entscheidungen zu treffen. Betroffene ziehen sich in sich zurück und kapseln sich ab. Oft brechen Kontakte weg und es entsteht das Gefühl der inneren Leere. Alkohol wird als Lösung gesehen und Betroffene greifen zur Flasche, um Problemen zu entfliehen.

Ein Ich kann nicht mehr kann sowohl im Privat- als Berufsleben in Erscheinung treten und Betroffene aus der Bahn werfen.

Ursachen für Überforderung

Überarbeitung und Überforderung durch Arbeit werden zum Problem und führen zu Erkrankungen, wenn nicht dagegen gesteuert wird. Doch wo liegen die Ursachen für das Ich kann nicht mehr im Beruf? Überforderung bezeichnet eine Situation in der der Mensch mit seinen zur Verfügung stehenden Ressourcen eine Situation oder ein Problem nicht lösen kann und an seine Grenzen stoßt.

Erwartungen können nicht erfüllt werden sowie Anforderungen und Belastungen kann nicht mehr standgehalten werden.

Überforderung kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, einige davon sind diese:

  • Belastung im Job durch zu viele Aufgaben, Termine und Deadlines
  • Belastung durch Anforderungen, die die eigene Kompetenz übersteigen
  • Doppelbelastung durch Arbeit und Familie
  • Probleme in der Familie wie Krankheit und Pflege eines Angehörigen
  • Zu hohe Ansprüche an sich selbst
  • Existenzängste

Hat man einmal die Ursachen erkannt, ist es wesentlich einfacher das Problem anzupacken und eine Lösungsstrategie zu entwickeln. Nur wenn man Probleme definiert, kann man sie auch eliminieren.

Wege aus der Überarbeitung

Ich kann nicht mehr … Viele Arbeitnehmer sind mindestens einmal in der Karriere an diesem Punkt angelangt. Es entsteht ein Gedankenkarussell aus Sorgen, Hilfslosigkeit und Ungewissheit. Wie geht es weiter in der Arbeit? Wie kann ich mich erholen, ohne als Weichling und Versager dazustehen? Für viele kommt das Eingeständnis, dass man nicht mehr kann, einem Versagen gleich. Zusätzlich zu einem Burnout kommt das angeschlagene Selbstwertgefühl und die Sorge, die Vorgesetzten und Kollegen würden auf einen herabschauen.

Es ist jedenfalls falsch, sich selbst mit Schuldgefühlen zu überhäufen und die Gründe für Erschöpfung bei sich selbst zu suchen. Auch wenn es schwerfällt, die eigenen Grenzen zu kennen und vor allem anzuerkennen ist ein Zeichen von Selbstbewusstsein und Stärke. Die Einsicht, dass es so nicht mehr weiter gehen kann und Veränderungen bitter nötig sind, ist der erste Schritt zur Besserung. Zum Glück muss sich niemand mit dem Gefühl Ich kann nicht mehr abfinden und kann proaktiv zu neuer Kraft und einem beruflichen Neubeginn beitragen.

Die folgenden zehn Punkte können Dir dabei helfen, eine neue Richtung einzuschlagen und aus dem Tief herauszukommen.

1. Lerne, loszulassen

Wenn im Job nichts mehr geht, Du Dich nur noch von Tag zu Tag quälst und keinen Ausweg mehr siehst, dann musst Du SOFORT loslassen. Und mit SOFORT ist buchstäblich SOFORT gemeint. Lasse alles stehen und liegen, melde Dich krank und erhole Dich. Tanke neue Kraft und komme wieder mit neuer Motivation zurück. Oder orientiere Dich neu und suche einen neuen Job.

Bevor Dir jetzt Tausend Zweifel in den Kopf schießen und Du Dir denkst: „Das kann ich doch nicht machen“, frage Dich: „Für wen opfere ich mich eigentlich?“ Du arbeitest Dich für ein Unternehmen kaputt, welches Dir nicht gehört. Du opferst die Gesundheit für die Profite Deines Chefs. Das kann es doch nicht sein. Also, lasse los. Und zwar heute noch.

2. Mache Urlaub

Wenn Deine Erschöpfung und das Ich kann nicht mehr Gefühl so groß sind, dann musst Du einen räumlichen Abstand von Deinem Alltag schaffen. Es bringt recht wenig, sich krankzumelden und dann in der Wohnung herumzusitzen. Du brauchst einen Ortswechsel. Wenn es die finanzielle Situation erlaubt, buche heute noch einen Flug und vereise in ein anderes Land. Wenn Du gerade knapp bei Kasse bist, mache Tagesausflüge oder Radtouren. Kaufe ein Zugticket und fahre mit dem Zug in den frühen Morgenstunden in eine andere Stadt. Mache eine Stadttour und komme abends wieder nach Hause. Du wirst feststellen, dass Du Dich wie ein anderer Mensch fühlst.

Ich kann nicht mehr

3. Definiere und überprüfe Deine Ziele

Es ist gut möglich, dass Du seit Jahren im Hamsterrad steckst und total unglücklich im Job bist. Irgendwann sagst Du: „Es ist genug, ich kann nicht mehr.“ Stelle Dir dabei die Frage: „Warum bin ich noch da?“ Hast Du rationale Gründe dafür, dass Du Dich in einem ungeliebten Job abstrampelst? Gibt es Hindernisse, die einen Jobwechsel derzeit schwer oder unmöglich machen? Bist Du in der Lage, diese Hindernisse zu beseitigen, um nach einer neuen Arbeit zu suchen? Was sind Deine Ziele im Privatleben und in der Karriere? Was tust Du, um Deine Ziele zu erreichen? Wie weit bist Du gekommen? Vielleicht stehst Du viel besser da, als Du es Dir selbst eingestehen willst. Möglicherweise kannst Du Dir eine längere Pause gönnen, weil Du Deinen Zielen viel näher gekommen bist.

4. Suche das Gespräch

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Sicherlich kennst Du die Situation, als es Dir so richtig schlecht ging. Dann hast Du Dich dem besten Freund oder einem Kollegen anvertraut und Dich anschließend besser gefühlt. Das Problem war zwar nicht aus der Welt, aber Du hast neue Kraft getankt in dem Du jemandem von Deinem Problem erzählt hast. Suche das Gespräch und tausche Dich mit anderen Menschen aus. Teile Deine Erfahrungen und höre Dir die Erfahrungen von anderen an. Es findet sich immer jemand der in einer ähnlichen Situation war und Dir wertvolle Tipps geben kann.

5. Mache Sport

Durch Bewegung kannst Du akute Ich-kann-nicht-mehr-Phasen überwinden und neue Kraft tanken. Durch Bewegung und Sauerstoffzufuhr bringst Du den Kreislauf auf Trab und durch sportliche Bewegung wie Joggen, Schwimmen und Krafttraining schüttet der Körper Glückshormone aus. Das Sonnenlicht bringt bessere Laune und mehr Energie. Lange Spaziergänge regen den Denkprozess an und verbessern Deine kognitiven Leistungen, sodass Du schneller zu einer Lösung kommst.

Burnout

6. Meditiere regelmäßig

Die positiven Wirkungen der Meditation sind mittlerweile in zahlreichen Studien wissenschaftlich belegt. Die Achtsamkeitsmeditation hat einen positiven Einfluss auf Dein Leben. Vier wesentliche Komponenten der Meditation sind: Regulation der Aufmerksamkeit, Körperwahrnehmung, Selbstbewusstsein und Regulation der Emotionen. Meditation sorgt für eine Steigerung der Kreativität, reduziert das Stresshormon Cortisol im Körper, sorgt dafür, dass Du weniger krank wirst und einen besseren Schlaf hast. Außerdem steigert Meditation Dein Einfühlungsvermögen. Meditation ist eine wertvolle Investition in die Gesundheit und sorgt für ein erhöhtes Wohlbefinden und eine bessere Stimmung.

7. Freue Dich über kleine Dinge

Wir alle jagen den großen Zielen hinterher und irgendwann sagen wir. „Ich kann nicht mehr.“ Immer einen leistungsstarken Computer zu besitzen, den neuesten Tablet-Rechner, das neueste Smartphone, ein schnelles Auto, schicke Kleidung, Markenschuhe, teure Urlaube und zahlreiche Abos und Mitgliedschaften. Statt für große Dinge zu arbeiten, sollte man sich auf kleine Dinge besinnen. Statt einem neuen Laptop könnte ich einen älteren mit Linux auf Vordermann bringen. Anstelle einem teuren Bildbearbeitungsprogramm könnte ich das freie GIMP nutzen und statt teurer Restaurantbesuche könnte ich selbst Gemüse anbauen und mich daran erfreuen.

8. Entrümple Deine Finanzen

Ein Kreditvertrag bei der Bank ist schnell unterschrieben und kaum ist das Geld auf dem Konto, befindet man sich in der Schuldenfalle. Oft werden Schulden für Konsum gemacht und damit eine Abhängigkeitsspirale und die finanzielle Selbstversklavung gewählt. Ein teurer Lebensstandard erfordert ein entsprechendes Einkommen. Für dieses Einkommen muss man arbeiten und das führt oft zu Überarbeitung. Nichts geht dann mehr. Und genau hier muss man ansetzen. Komme ich mit weniger Verträgen aus? Muss es eine bestimmte Automarke sein? Komme ich mit einem anderen Fahrzeugfabrikat aus? Oder gar ohne Auto? Mache Dich nicht zu einem Sklaven Deiner Finanzen, sondern lebe bescheidener, damit Du erst gar nicht in den Burnout kommst.

9. Arbeite Aufgestautes auf

Über eine lange Zeit staut sich die Frustration im Job auf. Die Probleme und die Verärgerung stapeln sich und fressen Dich von innen auf. Es ist nur logisch und ganz natürlich, dass Du Dir von Zeit zu Zeit Luft verschaffen musst. Probleme und Ungerechtigkeiten müssen angesprochen werden. Möglicherweise ist Mobbing im Spiel. Wenn Du auf Dauer nur einsteckst und nie für Deine Bedürfnisse und Interessen einstehst, hast Du den perfekten Nährboden für Frustration. Spreche mit Deinem Arbeitgeber und den Kollegen. Für vieles wird sich eine tragbare Lösung finden. Bei manchen Dingen wirst Du Dich energischer durchsetzen müssen. Arbeite aufgestaute Probleme auf und Du wirst Dich besser fühlen.

10. Denke nur an Dich

An sich zu denken ist kein Egoismus, sondern ein gesundes Selbstwertgefühl. In Krisenzeiten, in denen Du zum Punkt kommst, dass Du sagst: „Ich kann nicht mehr“, musst Du Dich auf Dich selbst besinnen. Wenn Du nicht an Dich denkst, wer wird es dann tun? Erwarte nicht, dass Dein Arbeitgeber und Chef Deine Erholung herbeiführt. Erwarte nicht, dass Dir jemand etwas abnimmt. Handle ganz im Eigeninteresse und sorge Dich nicht um Deinen Chef. Du bist durch die Arbeit angeschlagen und überfordert und es geht jetzt nur um Dich.

Ich kann nicht mehr – Fazit

Die Überarbeitung im Job ist nicht zu verharmlosen. Oft entstehen Erkrankungen und Betroffene kommen aus dem Gleichgewicht. Lange Ausfallzeiten sind die Folge. Damit es dazu gar nicht kommt, ist jeder angehalten, die Warnsignale des Körpers zu erkennen und zu entschleunigen. Die Einsicht, dass man sich in den Burnout hineingearbeitet hat und dringend etwas ändern muss, ist der erste Schritt zur Besserung. Wenn nichts mehr geht, ist die erste Maßnahme, sofort loszulassen. Ob man sich arbeitsunfähig meldet oder Urlaub hat, wichtig ist, dass man nicht einfach so weiter macht wie bisher.

Ein Ortswechsel durch Verreisen oder Tagesausflüge verändert die Grundstimmung und sorgt dafür, dass man neue Kraft tankt. Wichtig ist es, dass man sich mit seinen Mitmenschen konsolidiert und Erfahrungen austauscht. Es heißt nicht umsonst, geteiltes Leid ist halbes Leid. Regelmäßige Bewegung und Meditation sorgen für Entspannung und Reduzierung des Stresshormons Cortisol.

Sladjan Lazic

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