Private Hochschulen vs. öffentliche Hochschulen: Dieser Rat kann Dir ein Vermögen sparen

Die Studienwahl kann maßgeblich den weiteren Lebens- und Karriereweg sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Es kommt nicht nur darauf an, was Du studieren willst. Mindestens genauso wichtig ist die Frage, ob Du an einer öffentlichen oder privaten Hochschule studieren willst. In Deutschland sind staatliche Hochschulen nach wie vor die erste Wahl für angehende Studenten, doch haben sich in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr private Hochschulen etabliert. Nach Angaben des Wirtschaftsrats studieren gut fünf Prozent aller Kommilitonen in Deutschland an einer privaten Hochschule. Laut dem Nationalen Bildungsbericht aus dem Jahr 2012 hat sich die Zahl der Studierenden an privaten Hochschulen seit 1998 um 26 Prozent erhöht. Private Hochschulen sind also im Kommen. Doch welche Hochschule oder Fachhochschule kommt für Dich in Betracht? Dieser Artikel liefert Dir einen Vergleich für eine leichtere Entscheidungsfindung.

Private Hochschulen

Private Hochschulen: Fakten statt Vorurteile

Nach wie vor ranken sich sehr viele Mythen und Legenden um private Hochschulen. Diese ringen mit dem ewigen Vorurteil, dass dort nur Kinder wohlhabender Eltern studieren. Es heißt, deren Abiturnotendurchschnitt reiche nicht aus für ein vergleichbares Studium an der öffentlichen Hochschule. Das hartnäckige Vorurteil führt zu der weit verbreiteten Annahme, dass private Hochschulen und Fachhochschulen lediglich die zweite Wahl seien. Private Anbieter müssen sich dem Vorurteil stellen, dass das Studium an einer privaten Hochschule leichter ist. Es liegt der Vorwurf in der Luft, das Management möchte zahlende Kunden nicht vergraulen. All diese Vorurteile rücken die privaten Hochschuleinrichtungen obligatorisch in ein negatives Licht. Doch wie sieht der Faktencheck aus und durch welche Vorteile können private Hochschulen punkten?

  • Private Hochschulen setzen häufig auf Assessment Center und Eignungstests
  • Die Zulassung hängt nicht nur vom Numerus Clausus ab
  • Studiengänge sind spezialisiert und auf eine bestimmte Branche ausgerichtet
  • Studiengruppen sind kleiner, daher bessere und individuellere Betreuung
  • Keine überfüllten Vorlesungssäle
  • Moderne Ausstattung auf dem neuesten Stand der Technik
  • Wesentlich niedrigere Abbruchquoten der Studenten
  • Über 90 Prozent der Studierenden beenden ihr Studium innerhalb der Regelzeit
  • Seit der Bologna-Reform durchlaufen alle Studiengänge den gleichen Akkreditierungsprozess.

Zum letzteren Punkt muss erwähnt werden, dass der Akkreditierungsprozess für alle Hochschulen gilt, ob staatlich oder privat. Dabei wird die Qualität der Studiengänge durch die vom Wissenschaftsrat beauftragte Agenturen überprüft. Studierende erhalten die Gewissheit, dass das Studium an einer privaten Hochschule oder Fachhochschule kein erkauftes Studium ist. Es werden gleiche Qualitätskriterien wie bei einem Studium an einer staatlichen Hochschule erfüllt.

Private Hochschulen: Was spricht dagegen?

Während Studierende an staatlichen Schulen über Studiengebühren nur schmunzeln können, müssen ihre Kommilitonen an privaten Hochschulen teils hohe Gebühren entrichten. Deutschland gehört zu den wenigen Ländern auf der Welt, in denen Gebühren an öffentlichen Hochschulen ein Relikt aus vergangenen Zeiten ist. Derzeit erhebt nur noch das Bundesland Niedersachsen Studiengebühren. Ob nun Bayern, Berlin oder Nordrhein-Westfalen, Studierende genießen gebührenfreie Studiengänge. Somit sind Studiengebühren eines der stärksten Argumente gegen private Hochschulen.

Diese Punkte sprechen gegen eine private Hochschule:

  • Studiengebühren liegen in der Regel bei mehreren Tausend Euro pro Semester
  • Kleinere Fächerauswahl; Staatliche Universitäten bieten weit über 100 Studiengänge an, private Einrichtungen sind wesentlich eingeschränkter
  • Weniger wissenschaftliche Ausrichtung und Forschung, dafür mehr Wirtschaft.

Expertentipp: So finanzierst Du das Studium

Genauso wie an einer öffentlichen Universität hast Du an einer Privathochschule und Fachhochschule Anspruch auf Unterstützung durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG). Die einzige Voraussetzung ist, dass die dafür notwendigen Bedingungen erfüllt werden. Diese sind gegeben, wenn Du nicht über ausreichende finanzielle Mittel verfügst. Sprich, wenn Deine Eltern zu wenig verdienen, erhältst Du Unterstützung durch BAföG. Neben dem BAföG hast Du die Möglichkeit, ein Stipendium in Anspruch zu nehmen. Jede Hochschule, ob privat oder staatlich, informiert Dich ausführlich über Stipendien. Als letzte Möglichkeit das Studium zu finanzieren ist ein Studienkredit. Diesen musst Du jedoch am Ende des Studiums, inklusive Zinsen, zurückzahlen.

Welche Vorteile bietet eine staatliche Hochschule?

Bei der überwiegenden Zahl der Studiengänge hast Du die Wahl, ob Du diese an einer staatlichen oder einer privaten Hochschule studieren willst. Allerdings gibt es bestimmte Studiengänge, die entweder nur an öffentlichen oder nur an privaten Hochschulen studiert werden können. Dazu zählen z. B. Rechtswissenschaften und Medizin. Diese kannst Du nur an einer staatlichen Hochschule studieren. Studenten an öffentlichen Hochschulen haben mehr Freiheiten und genießen größere Flexibilität. Während private Hochschulen ein straffes Lehrprogramm durchziehen, können Studenten an staatlichen Universitäten ihr Studium freier gestalten. Dies fördert den Individualismus und selbstständiges Denken. Diese zwei Eigenschaften sind auf dem Arbeitsmarkt sehr geschätzt.

Eine staatliche Hochschule bietet folgende Vorteile:

  • Keine Studiengebühren; Es wird lediglich ein Semesterbeitrag gezahlt
  • Hohe Flexibilität beim Studienangebot; Du hast die freie Wahl, wenn es um Studiengänge geht
  • Freie Gestaltung des Studiums
  • Viele exotische und geisteswissenschaftliche Fächer gehören zum Fächerkanon
  • Der Fokus liegt auf Wissenschaft und Forschung.

Öffentliche Hochschulen: Das sind die Nachteile

Private Hochschulen

Da wo Licht ist, ist auch Schatten. Die Tatsache, dass Studiengebühren entfallen, kann leider nicht über die durchaus vorhandenen Nachteile einer staatlichen Hochschule hinwegtäuschen. Während bestimmte Studiengänge wie Jura und Medizin nur an einer öffentlichen Hochschule studiert werden können, gibt es noch weitere Einschränkungen. Die Warteliste für beliebte Studiengänge – u. a. Medizin und Rechtswissenschaften – ist sehr lang und setzt oft mehrere Wartesemester voraus. Zudem müssen sich Studierende an staatlichen Hochschulen mit teilweise veralteter Technik und überfüllten Hörsälen herumschlagen. Nachteile, die auf privaten Hochschulen de facto ein Fremdwort sind.

Mit diesen Nachteilen musst Du auf einer staatlichen Hochschule rechnen:

  • Überfüllte Hörsäle; weniger individuelle Betreuung
  • Veraltete Technik; renovierungsbedürftige Gebäude.

Private Hochschulen vs. öffentliche Hochschulen – Fazit

Wo studiert es sich besser, an einer privaten oder an einer öffentlichen Hochschule? Der Amerikaner würde sagen: „There is no magic bullet.“ Es gibt keine Geheimwaffe im Sinne einer Universalantwort. Die Bedingungen an staatlichen und privaten Hochschulen unterscheiden sich in manchen Punkten teilweise gravierend, in anderen kommen sie aufgrund des Bologna-Prozesses zusammen. Für viele angehende Studenten ist die Frage der Finanzierung sicherlich ein essenzieller Aspekt. Ist dieser zu gravierend, kann nur das Studium an einer öffentlichen Hochschule empfohlen werden.

Viele haben die Sorge, ob ihr Abschluss später in der Karriere die volle Anerkennung genießt. Hier musst Du wissen, dass sowohl die privaten als auch staatlichen Abschlüsse gesetzlich gleichwertig anerkannt sind. Es kann sein, dass eine bestimmte Branche einzelne Abschlüsse favorisiert. Doch hängt es häufig von einem selbst ab, wie man sich selbst vermarktet und seine Bewerbungsstrategie erstellt und erfolgreich anwendet. Die besten Abiturnoten und das beste Diplom können Deine soft skills und Empathie nicht ersetzen.

Aller Digitalisierung zum Trotz, Du bewirbst Dich nach wie vor bei Menschen und nicht bei Maschinen.

Sladjan Lazic

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